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  Alpin Balloon Trophy 2000 in Gstaad
Zwei außergewöhnliche Alpenüberquerungen im Ballon

Schon am ersten Tag dieses alpinen Langstreckenwettbewerbs für Ballons in Gstaad/Schweiz herrschten ideale Wetterbedingungen für weite Fahrten: Schneller Nord-West Wind in großen Höhen, und auch gute Wetterbedingungen in der italienischen Po-Ebene, unserem geplanten Landegebiet.

Das Aostatal mit dem Mont-Blanc-Massiv
Das Aostatal mit dem Mont-Blanc-Massiv

Mein Copilot Thies Piening und ich waren gut vorbereitet und schon kurz nach 10.00 Uhr morgens mit unserem kleinen AVIA-Ballon in der Luft. Langsam stiegen wir durch den sich auflösenden Morgennebel und nahmen in der Höhenströmung Fahrt auf. Ab 4.000m Höhe begannen wir Sauerstoff bei zu atmen. Zwischen 5.500m und 6.000m Höhe fanden wir die schnellste Strömung, unser GPS zeigte eine Geschwindigkeit von 122 km/h an und wir begannen zu ahnen, daß diese Ballonfahrt uns sehr weit nach Italien hineinführen würde.

Wir blieben in dieser großen Höhe, auch weil wir das Matterhorn und den Dom wegen der Lee-Walzen mit einem Sicherheitsabstand von 1000m überqueren wollten.

Auf der Funkfrequenz des Mailänder Flughafens hörten wir die sehr gesprächigen Italiener, die wir möglichst selten störten. Thies und ich waren sehr still in unserem Korb. Er navigierte und ich hielt die Höhe. Rundum konnten wir über 200km weit schauen. Unter uns gewaltige Felsmassive und riesige Gletschergebiete, unberührte Natur. Wir sahen das gesamte Alpenmassiv, von den französischen Alpen bis nach Österreich und Slowenien, im Süden lag die weite Po-Ebene im Dunst. Diese Dimensionen sind - in einem kleinen Weidenkorb in 6.000m Höhe stehend - nicht zu begreifen.

Thies und ich nehmen jetzt schon seit 7 Jahren an diesem Wettbewerb teil und jedesmal wieder stehen wir sprachlos in unserem Korb angesichts dieses Panoramas. Worte wie Andacht, Demut, Ergriffenheit bekommen hier oben einen neuen Sinn. Wir kamen uns winzig vor.

Richtungs- und Geschwindigkeitsmessung mit GPS
Das GPS zeigt die nötigen Daten an, Richtung 121 Grad (Südost) und Geschwindigkeit 122km/h

Das Aostatal mit Blick auf die Po-Ebene im Dunst
Das Aostatal mit Blick auf die Po-Ebene

im Dunst

Wir überquerten den Lago Maggiore und den Comer See, wir sahen Bergamo, Brescia und die Bergkette östlich und westlich des Gardasees. Über dem Gebirge war die Sicht gestochen scharf, über der Po-Ebene wurde es dunstig. Senkrecht nach unten hatten wir noch gute Sicht, aber schräg nach vorne wurde die Sicht immer schlechter. Wir überquerten Verona, als ein Problem auftrat, mit dem wir überhaupt nicht gerechnet hatten:

Wir näherten uns dem Rand unserer ICAO-Karte (Luftfahrerkarte) - und wer kommt bei einem Start in der Westschweiz schon auf die Idee, die ICAO-Karten von Slowenien und Kroatien mitzunehmen? Gas hatten wir noch genug, aber wir konnten wegen der fehlenden Anschlußkarte die Entfernung zur Adria nicht berechnen und auf Sicht zu fahren war wegen des Dunstes nicht möglich. Nach einer Wasserlandung stand uns der Sinn nicht. Also entschlossen wir uns zur Landung.

Wir meldeten uns über Funk aus dem kontrollierten Luftraum ab und landeten kurz vor 16.00 Uhr ca. 50km südlich von Mantova. Unsere Verfolger Peter Sabisch und Friederike und Wilfried Klein waren um 18.00 Uhr auch angekommen und gegen 2.00 Uhr morgens waren wir per Auto wieder in Gstaad.

Von allen gestarteten Ballons erreichten wir mit 328km die zweitweiteste Entfernung. Nur Patrick Schmidle aus Zürich kam 60km weiter, er hatte die ICAO-Anschlußkarte, die uns fehlte, dabei!

Das Wetter blieb wunderbar, Dienstag und Mittwoch machten wir einige schöne Ballonfahrten mit unseren Freunden im Berner Oberland und ins Wallis, am Donnerstag war wieder strammer Wind aus Nord in großen Höhen und gegen 11.00 Uhr waren Thies und ich, wie die anderen Wettbewerbsteilnehmer, wieder auf weiter Fahrt.

Wir fuhren genau nach Süden über das Aostatal, und über Turin an den französischen Alpen entlang in Richtung Seealpen und italienische Riviera. Im Osten sahen wir Genua, vor uns lag das Mittelmeer und - wir konnten es erst kaum glauben - wir sahen Korsika! Dieser Anblick überzeugte uns von der Notwendigkeit einer baldigen Landung, auch diesmal wollten wir auf keinen Fall wassern. Wir landeten gegen 16.00 Uhr in der Nähe von Cuneo am Rande der Seealpen. Bei dieser Fahrt gelang uns mit 242km Distanz das beste Ergebnis.

Im Vordergrund das Matterhorn, dahinter der Dom, die höchsten Berge der Schweiz
Im Vordergrund das Matterhorn, dahinter der Dom, die höchsten Berge der Schweiz
Distanzen: 1. Fahrt 328km
  2. Fahrt 242km
Fahrtdauer: 1. Fahrt 4Std. 20min
  2. Fahrt 5Std. 10min
max. Höhe: 6.200m
Höchst-Geschw.: 137km/h
Gasvorrat: 280kg Propan flüssig

In der Gesamtwertung der Alpine Balloon Trophy 2000 belegten wir mit 570km Gesamtentfernung den zweiten Rang. So konnten wir uns zu den außergewöhnlich schönen und weiten Alpenfahrten auch noch über einen sportlichen Erfolg freuen.

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