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  Heute: Vom Winde verweht und gesiegt
Ballon-Pilot Reiner Hoch gewinnt internationale Wettfahrt in der Schweiz
(Beitrag aus dem Haßfurter Tagblatt, erschienen am 16. Februar 2002)

Weit mehr als heiße Luft: Der Haßfurter Ballonfahrer Reiner Hoch hat in der ersten Februarwoche einen internationalen Langstrecken-Wettbewerb für Heißluftballons gewonnen und dabei einmal mehr seine Routine als Spitzen-Pilot unter Beweis gestellt. Bei der "10. Steigenberger Alpine Balloon Trophy Gstaad" war der 50Jährige noch hoch in der Luft, als die Konkurrenz schon schlapp machte. Vom Gstaad im Berner Oberland in der Schweiz aus gelang Hoch der weiteste "Sprung" bis in die Nähe von Bregenz. 220 Kilometer Luftlinie bedeuteten den Sieg.

Seit zehn Jahren treffen sich Anfang Februar Ballon-Piloten aus ganz Europa im eidgenössischen Gstaad, um eine Woche lang nach dem Motto "je weiter desto besser" gegeneinander anzutreten. Gesponsert wird die "Ballon Trophy Gstaad", die im europäischen Ballon-Sport den Rang eines Grand-Slum-Turniers einnimmt, von der schweizerischen Hotelkette Steigenberger, in deren Haus in Gstaad (Saanenland) alle Crews untergebracht sind.

 

 Photo Thuner See, Höhe ca. 3.500 m 

Thuner See,

ca. 45 min nach Start,Einfahrt in den kontrollierten Luftraum.

Höhe ca. 3.500m  

 

A n fünf Tagen, von Montag bis Freitag, steigen die Ballons auf, um für den Tagessieg und den Gesamtsieg zu kämpfen - sofern es das Wetter erlaubt. Doch Langstreckenflüge waren heuer nur an den ersten beiden Wettkampftagen möglich, erklärte Reiner Hoch der Heimatzeitung. Geflogen wird nur bei Tageslicht, mit Einbruch der Dunkelheit muss jedes "Luftschiff", egal wie knapp oder üppig die Gasvorräte dann sind, zurück zum Erdboden. Denn für Nachtflüge gelten erheblich strengere Sicherheitsauflagen.

Und: "Ein Ballon-Pilot fährt eigentlich nie in die Nacht hinein, weil dann die Landung viel gefährlicher wird. Eher startet er bei Dunkelheit, um dann hoch am Himmel das Tageslicht zu begrüßen", erklärt Hoch, der schon über 1000 Flugstunden über Europa, den USA und Kanada zurückgelegt hat.

 

 

 

 

 

 

Maschinenbau-Ingenieur und Diplom-Kaufmann Hoch war heuer mit seinem Sohn Max und seinem Freund, dem Haßfurter Frauenarzt Dr. Thies Piening in die Schweiz gereist, die sich als Co-Piloten und Verfolger ablösten. Aufgabe des Verfolgers ist es, dem Ballon mit Pkw und Hänger hinterher zu fahren, um Luftschiff und Mannschaft nach der Landung zu bergen - und zum Startpunkt zurückzubringen.

 

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Copilot Dr. Thies Piening auf der 1. Fahrt nach St. Gallen. 
 
  Als letzter abgehoben

 xxx

 

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Gipfelpanorama:

Eiger, Jungfrau, Mönch 

 

 

 

 

Die Minimal-Besetzung mit nur drei Köpfen bedeutete für die Haßbergler Crew vor allem bei den arbeitsintensiven Starts einen Nachteil: Während die stärker besetzten Teams nach dem obligatorischen Briefing für die Piloten - hierbei informiert die Wettkampfleitung in erster Linie über die Wettersituation und die Besonderheiten der sich daraus ergebenden Flugstrecke - alsbald davon schwebten, hob Hoch an beiden Langstrecken-Flugtagen nach rund einstündigem Aufbau als letzter ab.

 

               

 

 

 

 

Folglich blieb ihm weniger Flugzeit bis zum Abendrot. Doch nicht nur in der Bibel können die Letzten die Ersten sein: Denn der späte Start habe auch Vorteile, so Pilot Hoch: "Man hat dann die anderen Ballons vor sich, die einem als idealer Indikator für Windrichtung und Windgeschwindigkeit dienen." Das helfe einem, die optimale Flughöhe und die besten Luftströmungen zu finden und somit den wertvollsten Stoff an Bord, das Propangas, zu sparen.

 


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Blick zurück in Richtung

Berner Oberland.

6/8 Bodennebel,

schwierige Navigation

 

Und so machten sich am ersten Wettkampftag Rainer Hoch und Copilot Dr. Piening daran, das Feld von hinten aufzurollen. Nach einem Aufstieg auf gute 3500 Meter über Meeresniveau trieben mäßige Winde aus südwestlicher Richtung die aufgeblähten Flugapparate Richtung Bodensee-Gebiet. Doch nach einigen Stunden Flugzeit ging den ersten Teams die Luft aus.
 

 

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Der Züricher See aus

3.800m Höhe  

Nahe St. Gallen schließlich hatte Hoch nur noch einen Wettstreiter vor sich: "Die sind ganz nervös geworden und haben über Funk versucht herauszubekommen, wieviel Gas wir noch haben." Als der Gegner schließlich schlapp machte und landen musste, ließ Hoch seinen Ballon noch einmal auf 2000 Meter aufsteigen, um dann zwei Kilometer weiter nordöstlich auf einer Wiese als Tagesbester aufzusetzen.

"Wir hatten noch Gas in Hülle und Fülle und hätten ohne Weiteres den Bodensee überqueren können", erklärte Hoch stolz. Aber nicht nur die untergehende Sonne ließ es ratsam erscheinen, es bei der Siegesdistanz von 175 Kilometer Luftlinie zu belassen. Denn schließlich erwartete die Ballonfahrer noch ein einstündiger Abbau und eine viermal so lange Rückfahrt im Verfolger-Fahrzeug quer durch die Schweiz bis Gstaad. "Und außerdem sind fünf Stunden in der Luft äußerst anstrengend", gibt Reiner Hoch zu. "Man steht die ganze Zeit eng zusammengepfercht auf zwei Quadratmeter, und während der Oberkörper der prallen Sonne ausgesetzt ist, ist es unterhalb der Gürtellinie eiskalt."

  

  Zeit vergeht im Fluge

 

 

Trotzdem vergehe die Zeit wie im Flug. "Denn man ist andauernd mit Navigieren beschäftigt und darf auch den Funkkontakt mit der Flugaufsicht nicht abbrechen lassen. Das hält ganz schon auf Trab". So blieben selbst bei einem Fünf-Stunden-Flug nur wenige Augenblicke für das, was eigentlich die Faszination beim Ballonfahren ausmacht: Den Blick auf die winzige Welt unter einem und den endlosen Horizont um einen herum zu genießen, was im Falle des Ballonrennens von Gstaad heißt: Riesige schneebedeckte Alpengipfel vom Montblanc bis zum Eiger und herrliche Alpenseen vom Genfer bis zum Bodensee.
 

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Copilot Max Hoch auf

der 2. Fahrt nach Bregenz 

Mit einem raffinierten Trick wurde Hoch am darauf folgendem Wettkampftag - diesmal mit seinem Sohn Max im Korb - erneut Tages- und dann auch Gesamtsieger.

 

 Photo Züricher See 

Blick zurück, ca.

30 min nach Start,

Höhe ca. 3.000m.

Erste Vorboten der

Front, die am Abend

Regen und Wind

bringen wird. 

 

 

 

 

 

Von Gstaad aus ging es unter stärkeren Winden diesmal mehr in östliche Richtung, mit dem österreichischen Feldkirch im Visier.Doch hier im Tal des Oberrheins angekommen, wagten keiner seiner Konkurrenten die Weiterfahrt; Denn das hätte eine Landung im Gebirge zwischen Bregenzer Wald und Allgäuer Alpen bedeutet. "Ein erfahrener Pilot kann auch in schwierigem Gelände landen. Das wäre also weniger gefährlich als viel mehr teuer geworden: Denn dort, wo das Verfolger-Fahrzeug nicht hinkommt, muss ein Helikopter angefordert werden und eine Bergung mit Hubschrauber kostet ab 3000 Euro."
 

  Über Umweg zur Trophäe

 

 

 

Hoch hingegen entschied sich für einen "Umweg". In rund 3000 Meter Höhe konnte er - vor allem an den Rauchfahnen von Fabrikschloten beobachten, dass in tieferen Luftschichten südliche Strömungen vorherrschten. Also ließ er seinen Ballon auf rund 1000 Meter über Meeresspiegel absinken und fuhr dann mit extrem langsamem Tempo - rund fünf bis zehn Stundenkilometer - eine Stunde lang nach Norden.
 

 Photo Züricher See  Inversionswetterlage

 Inversionswetterlage 

 

 

 Photo Vierwaldstätter See, ca. 3.500m Höhe

Der Vierwaldstätter See

aus ca. 3.500m Höhe. 

 

 

 

 

 

 

"Dieser seitliche Versatz hat viel Gas gekostet, doch er hat sich gelohnt:" Auf der sicheren Alpennordseite angekommen, schaltete Hoch die Brenner an und ließ seinen Ballon wieder auf die Höhe der starken westlichen Winde hochsteigen. Schließlich hatte er im Abendlicht die Silhouette von Bregenz vor sich: Mit 210 Kilometer Luftlinie erkämpfte sich der Profi-Pilot, der bereits neunmal bei der "Steigenberger Alpine Balloon Trophy Gstaad" an den Start ging und dabei unter anderem Rosenheim und Genua erreichte, den Gesamtsieg.
 

 

 

 

Freilich ohne zu vergessen, die exakten Lande-Koordinaten auf seinem GPS-Gerät (ein Computer, der per Satelliten-Navigation auf den Meter genau den exakten Standort in der Luft und zu Boden ermittelt) zu fotografieren und sich per Stempel bei einem Restaurant belegen zu lassen, auch tatsächlich vor Ort gewesen zu sein. Als Siegertrophäe erhielt der Nachfahre der Gebrüder Montgolfier einen großen Pokal.

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Blick zurück auf den Vierwaldstätter See 

 

 

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